Deerhound

Deerhound

Sanfter, rauhaariger Riesen-Windhund aus Schottland — würdevoll, ruhig und freundlich, ein imposanter, aber zurückhaltender Begleiter mit Jagdtrieb.

Größe
71–81 cm
Gewicht
34–50 kg
Lebenserwartung
8–11 Jahre
Herkunft
Schottland
FCI-Gruppe
Windhund
Steckbrief: Deerhound auf einen Blick
Größe71–81 cm
Gewicht34–50 kg
Lebenserwartung8–11 Jahre
HerkunftSchottland
FCI-GruppeWindhund
Fellpflegemittel
Aktivitätsbedarfmittel
Anfängertauglichmit Erfahrung

Temperament & Eignung

Einschätzung der Redaktion auf Basis von FCI-Rassestandard und VDH-Angaben.

AktivitätErziehbarVerträglichKinderWachsamEigenständig
Aktivitätsbedarf3/5
Kinderfreundlichkeit4/5
Anfängertauglich3/5
Pflegeaufwand3/5
Wachsamkeit2/5
Verträglichkeit3/5
Haarverlust3/5
Eigenständigkeit3/5
1,5 hpro Tag
Auslastung pro Tag

Richtwert für Bewegung & Beschäftigung dieser Rasse.

Verträglichkeit & Eignung
Kinder Gut
Andere Hunde Mittel
Anfänger:innen Mittel
Wohnung Gering
Größe im Vergleich
Mensch
~175 cm
Deerhound
81 cm

Eigenschaften

Wesen & Charakter

Der Deerhound (Schottischer Hirschhund) ist ein großer, rauhaariger Windhund mit ausgesprochen sanftem, würdevollem und freundlichem Wesen. Trotz seiner imposanten Größe ist er ruhig, gutmütig und seiner Familie zugetan — ein „sanfter Riese" unter den Windhunden.

Wie viele Windhunde führt er ein Doppelleben: zu Hause ein ruhiger, anschmiegsamer und gelassener Hausgenosse, draußen ein schneller, ausdauernder Sprinter. Er ist sensibel, wenig wachsam und niemandem gegenüber aggressiv; als Wachhund taugt er kaum.

Als ursprünglicher Hetzjäger auf Rotwild hat der Deerhound einen ausgeprägten Sicht- und Jagdtrieb und einen eigenständigen Willen. Ansonsten ist er ein freundlicher, ruhiger und würdevoller Begleiter, der mit seinem sanften Wesen besticht.

Herkunft & Geschichte

Der Deerhound stammt aus dem schottischen Hochland, wo er über Jahrhunderte vom Adel als edler Hetzjäger auf Rotwild (Hirsche) eingesetzt wurde. Sein rauhaariges Fell schützte ihn im rauen, nasskalten Bergklima.

Lange war er ausschließlich dem schottischen Hochadel vorbehalten und galt als kostbares Statussymbol. Er ist eng mit dem Irischen Wolfshund verwandt und floss sogar in dessen Neuzüchtung ein. Die FCI führt ihn in Gruppe 10 (Windhunde).

Von seiner Vergangenheit als adeliger Hetzjäger hat er seine Eleganz, seinen Sichtjagdtrieb, seine Ausdauer und sein sanftes, würdevolles Wesen behalten.

Aussehen & Größe

Der Deerhound ist ein sehr großer, schlanker und windhundartig gebauter Hund mit rauem, drahtigem Fell — wie ein größerer, kräftigerer Greyhound mit zotteligem Haar. Rüden erreichen mindestens 76 cm, oft bis 81 cm Schulterhöhe und 40 bis 50 kg, Hündinnen mindestens 71 cm.

Das raue, harte Fell mit den buschigen Augenbrauen und dem Bart ist meist grau, blaugrau, gestromt oder sandfarben. Charakteristisch sind die enorme Größe, der edle, windhundartige Bau und der sanfte, freundliche Ausdruck unter den zotteligen Brauen.

Wegen des feinen Körperbaus und des geringen Körperfetts braucht der Deerhound einen weichen Liegeplatz; bei Kälte schützt ihn sein raues Fell besser als das kurzhaarige Windhunde. Seine schiere Größe sollte man bei Haltung und Kosten einplanen.

Haltung & Auslastung

Der Deerhound hat den typischen Windhund-Rhythmus: Er braucht regelmäßig die Möglichkeit, kräftig und ausdauernd zu galoppieren, ist ansonsten zu Hause aber ausgesprochen ruhig und gelassen. Mehrere Spaziergänge mit Gelegenheiten zum freien Galopp decken seinen Bedarf.

Ideal sind gesicherte Ausläufe oder Hundesport wie Coursing, bei dem er seinem Lauf- und Hetztrieb nachgehen kann. Wegen seines starken Sichtjagdtriebs ist Freilauf nur in sehr sicheren Bereichen ratsam. Im Wachstum ist auf gelenkschonende Belastung zu achten.

Zu Hause ist er ein ruhiger, würdevoller und gemütlicher Hausgenosse, der viel Platz und einen weichen Liegeplatz braucht. Trotz seiner Größe eignet er sich für ruhige Haushalte mit ausreichend Raum.

Erziehung

Der Deerhound ist intelligent, sensibel und sanft, reagiert aber empfindlich auf Härte und lauten Ton. Eine freundliche, geduldige Erziehung mit viel positiver Bestärkung passt am besten zu seinem feinfühligen, würdevollen Wesen.

Die größte Herausforderung ist der ausgeprägte Sichtjagdtrieb: Ein zuverlässiger Rückruf ist schwer zu erreichen, sobald er etwas Schnelles erspäht. Frühes Training, gute Impulskontrolle und gesicherte Ausläufe sind wichtig.

Insgesamt ist der Deerhound ein unkomplizierter, gut erziehbarer und gutmütiger Hund — wegen seiner Größe sollten Grundgehorsam und Leinenführigkeit aber früh sitzen.

Für Anfänger geeignet?

Der Deerhound ist vom Wesen her sanft und gut führbar, durch seine schiere Größe und seinen Jagdtrieb aber nur bedingt anfängergeeignet. Sein enormer Platzbedarf, die hohen Futter- und Tierarztkosten, die kurze Lebenserwartung und die schwierige Rückruf-Erziehung sollten Ersthundehalter nicht unterschätzen.

Wer viel Platz, Zeit und die finanziellen Mittel hat, sich gut informiert, ihm gesicherte Sprintmöglichkeiten bietet und seinen Sichtjagdtrieb ernst nimmt, kann auch als Einsteiger mit einem Deerhound glücklich werden. Wer einen kleineren oder gehorsameren Hund sucht, sollte sich anders entscheiden.

Mit Kindern & anderen Tieren

Der Deerhound ist ein ausgesprochen sanfter, geduldiger und freundlicher Familienhund, der mit Kindern in der Regel gut zurechtkommt. Wegen seiner enormen Größe sollte der Umgang mit kleinen Kindern dennoch beaufsichtigt werden, damit er sie nicht versehentlich umstößt.

Mit anderen Hunden ist er meist friedlich und verträglich. Gegenüber kleinen Heimtieren wie Katzen oder Nagern ist wegen seines starken Hetztriebs jedoch Vorsicht geboten; mit Katzen, mit denen er aufwächst, kann es klappen.

Pflege & Pflegeroutine

Das raue, drahtige Fell des Deerhounds ist vergleichsweise pflegeleicht und braucht regelmäßiges Bürsten, etwa ein- bis zweimal pro Woche; gelegentliches Trimmen (Auszupfen abgestorbener Haare) erhält die Fellstruktur. Geschoren werden sollte er nicht.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen wegen der Größe die Gelenke und Liegeschwielen; Bart und Augenbrauen können nach dem Fressen und Trinken verschmutzen. Ohren, Augen, Krallen und Zähne gehören zur regelmäßigen Kontrolle.

Der Pflegeaufwand ist moderat — die größte Herausforderung der Rasse liegt nicht in der Fellpflege, sondern in Platz, Kosten und Gesundheit.

Ernährung

Der Deerhound braucht als Riesenrasse ein hochwertiges, sorgfältig auf Wachstum und Aktivität abgestimmtes Futter. Gerade im schnellen Wachstum ist eine kontrollierte, ausgewogene Fütterung entscheidend, um das Knochenwachstum nicht zu überfordern und Gelenkprobleme zu vermeiden.

Als sehr großer, tiefbrüstiger Hund besteht ein erhöhtes Risiko für eine lebensgefährliche Magendrehung; mehrere kleinere Mahlzeiten und Ruhe nach dem Fressen sind wichtig. Die passende Menge lässt sich mit dem Futtermengen-Rechner bestimmen, eine Rohfütterung mit dem BARF-Rechner planen.

Gesundheit & typische Krankheiten

Der Deerhound hat als Riesenrasse leider nur eine begrenzte Lebenserwartung von etwa 8 bis 11 Jahren. Mehrere ernste, größenbedingte Gesundheitsthemen sollte man kennen.

Im Vordergrund stehen Herzerkrankungen, vor allem die dilatative Kardiomyopathie (DCM), die gefährliche Magendrehung sowie eine erhöhte Neigung zu Knochenkrebs (Osteosarkom). Hinzu kommen der angeborene Lebershunt, die Blutgerinnungsstörung Faktor-VII-Mangel sowie als Windhund eine Empfindlichkeit gegenüber Narkosen.

Ein seriöser Züchter untersucht die Elterntiere auf Herz und achtet auf langlebige Linien. Dieser Überblick ersetzt keinen Tierarztbesuch — bei Auffälligkeiten ist tierärztlicher Rat einzuholen.

Vergleich mit ähnlichen Rassen

Der Deerhound ist eng mit dem noch größeren Irischen Wolfshund verwandt und floss in dessen Neuzüchtung ein — beide sind sanfte, rauhaarige Riesen-Windhunde mit kurzer Lebenserwartung; der Wolfshund ist massiger, der Deerhound eleganter und windhundtypischer.

Dem kurzhaarigen Greyhound ähnelt er im Bau, übertrifft ihn aber deutlich an Größe und hat ein raues Fell. Mit dem langhaarigen Barsoi teilt er die windhundartige Eleganz. Wer einen sanften, ruhigen Riesen-Windhund sucht und mit der kurzen Lebenserwartung umgehen kann, findet im Deerhound eine würdevolle Wahl.

Kosten

Ein Deerhound-Welpe vom seriösen Züchter kostet meist zwischen 1.500 und 2.300 Euro. Gesundheitlich untersuchte Elterntiere (Herz) aus möglichst langlebigen Linien sind den Preis wert — bei dieser Rasse kann an Gesundheit zu sparen besonders schmerzhaft werden.

Die laufenden Kosten sind wegen der Größe hoch: Mit rund 150 bis 250 Euro im Monat für Futter, Steuer, Versicherung und Tierarzt sollte man rechnen. Eine realistische Kalkulation liefert der Hundekosten-Rechner.

Anschaffung & Züchter

Bei der Anschaffung ist ein seriöser Züchter entscheidend, der die Elterntiere auf Herz untersucht, auf möglichst langlebige Linien und ein sanftes Wesen züchtet und die Welpen im familiären Umfeld aufzieht. Gerade beim kurzlebigen Deerhound ist die Wahl gesunder, langlebiger Linien besonders wichtig.

Da die Rasse selten ist, ist mit Wartezeit zu rechnen; gelegentlich findet man Deerhounds auch über Windhund-Hilfen. Vor der Anschaffung sollte ehrlich geprüft werden, ob Platz, Zeit, die finanziellen Mittel und gesicherte Sprintmöglichkeiten für einen so großen Hund dauerhaft vorhanden sind.

Passt zu dir, wenn …

du viel Platz und Zeit für einen sehr großen Hund hast
du einen sanften, ruhigen Riesen-Windhund suchst
du ihm gesicherte Sprintmöglichkeiten bietest
du seinen Sichtjagdtrieb ernst nimmst
du mit der kurzen Lebenserwartung umgehen kannst
du wenig Platz oder ein knappes Budget hast
du einen Wachhund suchst
du nur ungesicherte Freilaufflächen mit Wild hast
du einen langlebigen, kleinen Hund suchst

Häufige Fragen

Ist der Deerhound ein guter Familienhund?

Ja — er ist ausgesprochen sanft, geduldig und freundlich. Wegen seiner enormen Größe sollte der Umgang mit kleinen Kindern beaufsichtigt werden.

Wie groß wird ein Deerhound?

Sehr groß — Rüden erreichen mindestens 76 cm, oft bis 81 cm Schulterhöhe und 40 bis 50 kg, Hündinnen mindestens 71 cm.

Wie alt wird ein Deerhound?

Leider nur etwa 8 bis 11 Jahre — wie bei vielen Riesenrassen ist die Lebenserwartung begrenzt.

Hat der Deerhound einen Jagdtrieb?

Ja — als ursprünglicher Hetzjäger auf Rotwild hat er einen ausgeprägten Sichtjagdtrieb. Ein zuverlässiger Rückruf ist schwer, gesicherte Ausläufe sind Pflicht.

Welche Krankheiten sind beim Deerhound typisch?

Vor allem Herzerkrankungen (DCM), Magendrehung und eine erhöhte Neigung zu Knochenkrebs, dazu der Lebershunt und der Faktor-VII-Mangel.

Wie viel Bewegung braucht ein Deerhound?

Er braucht regelmäßig Gelegenheit zum ausdauernden Galopp, ist zu Hause aber sehr ruhig. Mehrere Spaziergänge mit freiem Galopp in gesicherten Bereichen decken seinen Bedarf.

Taugt der Deerhound als Wachhund?

Kaum — er ist freundlich, wenig wachsam und niemandem gegenüber aggressiv und damit kein typischer Wachhund.

Worin unterscheidet sich der Deerhound vom Irischen Wolfshund?

Beide sind sanfte, rauhaarige Riesen-Windhunde; der Wolfshund ist größer und massiger, der Deerhound eleganter und windhundtypischer. Der Deerhound floss in die Wolfshund-Zucht ein.

Ist der Deerhound ein Anfängerhund?

Bedingt — sein sanftes Wesen spricht dafür, seine Größe, die Kosten, die kurze Lebenserwartung und der Jagdtrieb dagegen. Mit Platz und Budget machbar.

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Quellen: FCI-Rassestandard Nr. 164 · VDH · FCI-Rassestandard · Redaktionelle Einschätzung · Stand 06/2026. Bei Gesundheitsfragen ersetzt dieser Artikel keinen Tierarztbesuch.