
Bordeauxdogge
Massiger französischer Molosser mit dem größten Kopf aller Rassen — ruhig, treu und beschützend, ein imposanter Hund nur für erfahrene Hände.
| Größe | 58–68 cm |
|---|---|
| Gewicht | 45–55 kg |
| Lebenserwartung | 8–10 Jahre |
| Herkunft | Frankreich |
| FCI-Gruppe | Pinscher und Schnauzer |
| Fellpflege | sehr gering |
| Aktivitätsbedarf | gering |
| Anfängertauglich | mit Erfahrung |
Temperament & Eignung
Einschätzung der Redaktion auf Basis von FCI-Rassestandard und VDH-Angaben.
Richtwert für Bewegung & Beschäftigung dieser Rasse.
~175 cm
68 cm
Eigenschaften
Wesen & Charakter
Die Bordeauxdogge ist ein massiger, kraftvoller französischer Molosser mit ruhigem, ausgeglichenem und seiner Familie tief ergebenem Wesen. Trotz ihres imposanten, fast furchteinflößenden Äußeren ist sie im Kern ein sanfter, anhänglicher Hund, der enge Nähe zu seinen Menschen sucht.
Sie ist wachsam, selbstsicher und hat einen ausgeprägten Beschützerinstinkt — Fremden gegenüber tritt sie zurückhaltend und aufmerksam auf. Aggression aus dem Nichts ist ihr fremd, ihr Schutztrieb verlangt aber eine souveräne Führung und gute Sozialisierung.
Die Bordeauxdogge kann eigensinnig und durchsetzungsstark sein und braucht von Anfang an klare, ruhige Konsequenz. Gut geführt ist sie ein gelassener, treuer Familienhund — ihr Wesen und ihre Kraft verlangen aber Erfahrung.
Herkunft & Geschichte
Die Bordeauxdogge (Dogue de Bordeaux) stammt aus dem Südwesten Frankreichs und gehört zu den ältesten französischen Rassen. Über die Jahrhunderte diente sie als Wach-, Hof- und Schutzhund, beim Treiben von Vieh und früher auch bei Tierkämpfen.
Sie geht auf alte Molosser- und Mastiff-Typen zurück und wurde in der Region um Bordeaux zu ihrem heutigen, massigen Typ geformt. Die FCI führt sie in Gruppe 2 (Molossoide).
Vom robusten Arbeits- und Schutzhund hat sie ihre Wachsamkeit und ihren Beschützerinstinkt behalten, ist heute aber in erster Linie ein imposanter Familien- und Begleithund.
Aussehen & Größe
Die Bordeauxdogge ist ein großer, sehr massiger und muskulöser Molosser mit dem größten Kopf im Verhältnis zum Körper aller Hunderassen. Rüden erreichen etwa 60 bis 68 cm Schulterhöhe und wiegen mindestens 50 kg, oft 60 kg und mehr; Hündinnen sind etwas kleiner.
Das kurze, weiche Fell ist pflegeleicht und einfarbig falbfarben (von hellem Mahagoni bis Rotbraun), oft mit dunkler oder brauner Maske. Charakteristisch sind der mächtige, faltige Kopf, die kurze Schnauze und der gedrungene, kraftvolle Körperbau.
Wegen der kurzen Schnauze und der Hautfalten ist die Bordeauxdogge etwas hitze- und atemempfindlich; auf möglichst freiatmende, nicht übertypisierte Zuchtlinien ist zu achten.
Haltung & Auslastung
Die Bordeauxdogge hat einen eher moderaten Bewegungsbedarf. Sie braucht täglich etwa ein bis zwei Stunden ruhige Bewegung in Form gemütlicher Spaziergänge — sie ist kein ausdauernder Sport- oder Laufpartner und neigt eher zur Gemütlichkeit.
Im Wachstum ist besonders auf gelenkschonende Belastung zu achten: Treppensteigen, Springen und langes Toben sollten beim schweren Junghund deutlich begrenzt werden. Als kurznasiger, massiger Hund ist sie hitzeempfindlich und darf bei Wärme nicht überanstrengt werden.
Sie braucht Platz, eine souveräne Führung und engen Familienanschluss und gehört nicht in den Zwinger. Als Erwachsene ist sie ein ruhiger, gemütlicher Hausgenosse.
Erziehung
Bei der Bordeauxdogge ist eine frühe, konsequente und ruhige Erziehung wegen ihrer enormen Kraft und ihres Schutztriebs besonders wichtig. Grundgehorsam und Leinenführigkeit müssen sitzen, solange der Hund noch handhabbar ist.
Sie ist intelligent, aber eigensinnig und durchsetzungsstark; eine souveräne, faire Führung mit klaren Regeln und viel positiver Bestärkung ist entscheidend. Härte ist kontraproduktiv und kann den Schutztrieb verstärken.
Eine frühe, umfassende Sozialisierung mit Menschen, Hunden und Alltagssituationen sorgt dafür, dass der imposante Hund souverän und entspannt bleibt. Erfahrung mit Molossern ist dringend zu empfehlen.
Für Anfänger geeignet?
Die Bordeauxdogge ist kein Anfängerhund. Ihre enorme Kraft, ihr Schutztrieb, ihr Eigensinn, der Platzbedarf und die hohen Kosten überfordern unerfahrene Halter schnell.
Sie gehört in die Hände erfahrener, souveräner Menschen, die Molosser kennen, sie konsequent führen und früh sozialisieren. Wer zum ersten Mal einen Hund hält oder unsicher in der Führung ist, sollte sich für eine leichter führbare Rasse entscheiden — auch die kurze Lebenserwartung sollte man bedenken.
Mit Kindern & anderen Tieren
Innerhalb ihrer Familie ist die Bordeauxdogge ruhig, geduldig und anhänglich und kann gut sozialisiert ein verträglicher Begleiter für Kinder sein. Wegen ihrer enormen Größe, Kraft und ihres Schutztriebs muss der Umgang mit kleinen Kindern jedoch stets beaufsichtigt werden.
Gegenüber fremden Hunden — besonders gleichgeschlechtlichen — kann sie dominant auftreten; eine frühe Sozialisierung ist entscheidend. Mit Katzen und anderen Haustieren, mit denen sie aufwächst, kommt sie meist zurecht, ihr Schutzinstinkt bleibt aber präsent.
Pflege & Pflegeroutine
Das kurze, weiche Fell der Bordeauxdogge ist sehr pflegeleicht und braucht nur gelegentliches Bürsten; sie haart mäßig. Aufwendiger ist die Pflege der Gesichtsfalten und der hängenden Lefzen, die regelmäßig kontrolliert, gereinigt und trocken gehalten werden sollten, um Hautentzündungen vorzubeugen.
Sie sabbert wegen der hängenden Lefzen deutlich. Augen (Lidstellung), Ohren, Krallen und Zähne gehören zur regelmäßigen Kontrolle.
Der Pflegeaufwand für das Fell ist gering, das Sabbern und die regelmäßige Faltenpflege sollte man aber einplanen.
Ernährung
Die Bordeauxdogge braucht als massige Rasse ein hochwertiges, sorgfältig auf Wachstum und Aktivität abgestimmtes Futter. Gerade im Wachstum ist eine kontrollierte, nicht zu energiereiche Fütterung entscheidend, um die Gelenke des schnell und schwer wachsenden Hundes nicht zu überlasten.
Als großer, tiefbrüstiger Hund besteht ein erhöhtes Risiko für eine lebensgefährliche Magendrehung; mehrere kleinere Mahlzeiten und Ruhe nach dem Fressen beugen vor. Die passende Menge lässt sich mit dem Futtermengen-Rechner bestimmen, eine Rohfütterung mit dem BARF-Rechner planen.
Gesundheit & typische Krankheiten
Die Bordeauxdogge hat leider eine sehr kurze Lebenserwartung von nur etwa 5 bis 8 Jahren — eine der niedrigsten unter allen Rassen. Mehrere ernste, teils zuchtbedingte Gesundheitsthemen sollte man kennen.
Dazu zählen Herzerkrankungen (etwa die Aortenstenose und die dilatative Kardiomyopathie), Hüft- und Ellbogengelenksdysplasie, die gefährliche Magendrehung, Atemprobleme durch die kurze Schnauze, Lidfehlstellungen wie Entropium und Ektropium sowie Hautprobleme in den Falten.
Ein seriöser Züchter untersucht die Elterntiere auf Herz, Hüften und Augen und züchtet auf einen funktionalen, nicht übertypisierten Körperbau. Dieser Überblick ersetzt keinen Tierarztbesuch — bei Auffälligkeiten ist tierärztlicher Rat einzuholen.
Vergleich mit ähnlichen Rassen
Wer einen kraftvollen Molosser sucht, vergleicht die Bordeauxdogge oft mit dem Cane Corso: Der Cane Corso ist hochläufiger, sportlicher und triebstärker, die Bordeauxdogge massiger, gemütlicher und kurznasiger mit deutlich kürzerer Lebenserwartung.
Gegenüber dem gutmütigen Riesen Bernhardiner und der eleganteren Deutschen Dogge ist die Bordeauxdogge der kompakteste und schwerste Molosser mit dem ausgeprägtesten Schutztrieb. Wer einen leichter führbaren oder langlebigeren Hund sucht, sollte die Eigenheiten dieser Rasse bedenken.
Kosten
Ein Bordeauxdoggen-Welpe vom seriösen Züchter kostet meist zwischen 1.500 und 2.500 Euro. Gesundheitlich untersuchte Elterntiere (Herz, Hüften) sind den Preis wert — bei dieser gesundheitlich anfälligen Rasse kann an Gesundheit zu sparen besonders teuer und schmerzhaft werden.
Die laufenden Kosten sind wegen der Größe hoch: Mit rund 150 bis 250 Euro im Monat für Futter, Steuer, Versicherung und Tierarzt sollte man rechnen, dazu hohe Behandlungskosten durch die rassetypischen Probleme. Eine Kalkulation liefert der Hundekosten-Rechner.
Anschaffung & Züchter
Bei der Anschaffung ist ein seriöser Züchter entscheidend, der die Elterntiere auf Herz, Hüften und Augen untersucht, auf einen funktionalen, möglichst freiatmenden und nicht übertypisierten Körperbau und ein stabiles Wesen züchtet und die Welpen im familiären Umfeld sozialisiert. Von extrem kurznasigen, übertriebenen Linien ist aus Tierschutzsicht abzuraten.
Wer offen für einen erwachsenen Hund ist, findet auch im Tierschutz und über Rasse-Nothilfen immer wieder Bordeauxdoggen. Vor der Anschaffung sollte ehrlich geprüft werden, ob Erfahrung, Platz, Zeit und die finanziellen Mittel für einen so kraftvollen Hund mit kurzer Lebenserwartung dauerhaft vorhanden sind.
Passt zu dir, wenn …
Häufige Fragen
Ist die Bordeauxdogge ein Anfängerhund?
Nein — ihre Kraft, ihr Schutztrieb und ihr Eigensinn überfordern Anfänger schnell. Sie gehört in erfahrene, souverän führende Hände mit Molosser-Erfahrung.
Wie alt wird eine Bordeauxdogge?
Leider nur etwa 5 bis 8 Jahre — sie hat eine der niedrigsten Lebenserwartungen aller Rassen.
Wie groß und schwer wird eine Bordeauxdogge?
Rüden erreichen etwa 60 bis 68 cm und wiegen mindestens 50 kg, oft 60 kg und mehr. Sie hat den größten Kopf im Verhältnis zum Körper aller Rassen.
Ist die Bordeauxdogge ein Familienhund?
Innerhalb der Familie ist sie ruhig, treu und anhänglich. Wegen Größe und Schutztrieb muss der Umgang mit Kindern aber beaufsichtigt werden, und sie braucht erfahrene Führung.
Welche Krankheiten sind bei der Bordeauxdogge typisch?
Herzerkrankungen (Aortenstenose, DCM), Hüft- und Ellbogendysplasie, Magendrehung, Atemprobleme durch die kurze Schnauze und Lidfehlstellungen.
Sabbert die Bordeauxdogge stark?
Ja — wegen ihrer hängenden Lefzen sabbert sie deutlich. Das sollte man bei der Anschaffung einkalkulieren.
Wie viel Bewegung braucht eine Bordeauxdogge?
Moderat — täglich ein bis zwei Stunden ruhige Spaziergänge. Im Wachstum und bei Hitze ist Schonung wichtig.
Verträgt die Bordeauxdogge Hitze?
Schlecht — als kurznasiger, massiger Hund ist sie hitzeempfindlich und sollte an heißen Tagen geschont werden.
Ist die Bordeauxdogge mit anderen Hunden verträglich?
Gegenüber fremden, besonders gleichgeschlechtlichen Hunden kann sie dominant auftreten. Eine frühe, konsequente Sozialisierung ist entscheidend.
Ähnliche Rassen
Quellen: FCI-Rassestandard Nr. 116 · VDH · FCI-Rassestandard · Redaktionelle Einschätzung · Stand 06/2026. Bei Gesundheitsfragen ersetzt dieser Artikel keinen Tierarztbesuch.


